This website requires JavaScript.
banner
Zentrum für Extremitätenchirurgie München
Prof. Dr. Dr. med. R. Baumgart

Hüftdistalisierung

Die Verschiebung des Hüftgelenks nach oben, eine sog. hohe Hüftluxation, kann über viele Jahre schmerzfrei sein, wenn sich eine stabile Ersatzpfanne (Neo-Acetabulum) an der Beckenschaufel ausbildet. Die betroffenen Patienten haben oft zunächst noch eine erstaunlich gute Funktion, störend wird aber das oft um 6–8 cm zu kurze Bein empfunden. Erschwerend kommt hinzu, dass meist auch eine Abspreizhemmung vorliegt, sodass das ohnehin schon verkürzte Bein angehoben werden muss, damit ein Laufen überhaupt möglich ist. Damit kommt zu der anatomisch bedingten Verkürzung noch eine funktionell bedingte Verkürzung, die eine Verbiegung der Wirbelsäule verstärkt. In dieser Situation, insbesondere wenn die Hüfte zunehmend schmerzhaft wird, kann man nicht, wie sonst üblich, ein künstliches Hüftgelenk implantieren. Das künstliche Hüftgelenk hätte in dieser viel zu hohen, nicht-anatomischen Position an der Beckenschaufel, keine stabile Befestigungsoption und damit eine extrem schlechte Langzeitprognose. Auch die akute intraoperative Distraktion der Hüfte ist keine Alternative, da dies unweigerlich zu einem Nervenschaden führen würde. Eine kontinuierliche Hüftdistalisierung ist somit der einzige physiologische Therapieansatz, was bisher allerdings nur mit externen Fixateuren und deshalb mit einem erheblichen Infektionsrisiko durchführbar war – ein fatales Risiko im Bereich der späteren Hüftendoprothese.

Hohe Hüftluxation

Hohe Hüftluxation

Wenn die Schmerzen unerträglich werden muss etwas geschehen

Als Alternative zu einer äußerst nachteiligen Hüftgelenksversteifung bleibt bei einer schmerzhaften hohen Hüftluxation manchmal auch schon in jungen Jahren nur ein künstliches Hüftgelenk die einzig sinnvolle Maßnahme. Zuvor muss aber die Herausforderung gemeistert werden, das Bein zu dem Becken in die korrekte Position zu bringen.

Hüftdistalisierung mit einer neuen im ZEM-Germany entwickelten Methode

Hüftdistalisierung mit einer neuen im ZEM-Germany entwickelten Methode

Neue Perspektiven mit Distraktionsmarknägeln

Im ZEM-Germany wurde eine revolutionäre Idee geboren, um Patienten mit einer schmerzhaften hohen Hüftluxation neue Perspektiven zu eröffnen, die international auf große Beachtung stößt. Eine patentierte Beckenabstützplatte in Kombination mit dem bewährten FITBONE-Distaktionsmarknagel, ermöglicht es erstmals, ohne einen externen Fixateur den Oberschenkelknochen langsam nach unten zu ziehen und so ein künstliches Hüftgelenk in anatomisch korrekter Position zu implantieren. In einem ersten operativen Schritt wird die neue Beckenabstützplatte oberhalb der späteren Pfannenposition positioniert und am Beckenknochen fest verschraubt. In den Oberschenkelknochen wird ein FITBONE-Distraktionsmarknagel implantiert und über ein Kugelgelenk mit der Beckenabstützplatte verbunden. Weiterhin wird bei diesem Operationsschritt auch bereits die endgültige künstliche Prothesenpfanne in korrekter Position, auf der gleichen Höhe wie die Gegenseite, implantiert. Falls erforderlich kann eine Pfannendachverstärkung aus dem resezierten Hüftkopf durchgeführt werden. Nach 5 Tagen verlässt der Patient die Klinik und beginnt sofort mit der Distalisierung des Beins. Nach einem festgelegten Protokoll, wird das Bein in der ersten Woche 3 mm/Tag, in der zweiten Woche 2 mm/Tag und anschließend mit 1 mm/Tag fußwärts geschoben, sodass die Weichteile und vor allem der Ischiasnerv langsam gedehnt werden. Der entscheidende Vorteil: Verträgt der Nerv diese Dehnung nicht, empfindet der Patient Gefühlsstörungen und die Distalisierung kann verlangsamt werden. So sind Nervenschäden nahezu ausgeschlossen. Sobald der Oberschenkelknochen die anatomisch korrekte Position erreicht hat erfolgt nach einer kurzen Entspannungsphase im Rahmen einer zweiten Operation die Entfernung des FITBONE-Distraktionsmarknagels und die Implantation eines regulären Prothesenschafts, der dann mit der bereits implantierten Pfanne artikulieren kann. Neben der anatomisch korrekten Prothesenposition resultiert ein weiterer Vorteil: Die vorbestehende Beinverkürzung wird meist vollständig ausgeglichen! Dieses neue Verfahren steht in Deutschland bisher nur am ZEM-Germany zur Verfügung und führte inzwischen zu beeindruckenden Ergebnissen.

Grafik

Grafik

Fallbeispiele

Kontakt