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Zentrum für Extremitätenchirurgie München
Prof. Dr. Dr. med. R. Baumgart

Behandlungs­ablauf

Anamnese

Um eine optimale und gleichbleibend gute Behandlungsqualität sicherzustellen, wurden im ZEM-Germany standardisierte Abläufe eingeführt, die alle wichtigen Aspekte abdecken. Hierzu gehören wissenschaftlich anerkannte Fragebögen, die sowohl das orthopädisch chirurgische Problem als auch das soziale Umfeld, also die familiäre und berufliche Situation, erfassen. Eine Fotodokumentation zur Vermessung von Armen oder Beinen ergänzt durch ein Gangbild- oder Funktions-Video lässt Seitenunterschiede oder Auffälligkeiten der Bewegungsabläufe erkennen. Im Rahmen einer umfangreichen Untersuchung werden die Bewegungsumfänge aller Gelenke auf beiden Seiten gemessen und genau dokumentiert. Die so gewonnenen Daten ermöglichen bereits einen ersten Eindruck, sodass anschließend die richtigen Röntgenuntersuchungen veranlasst werden können, die dann Grundlage der Beratung und Behandlung sind.

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Röntgendiagnostik

Wenn es sich um die unteren Extremitäten handelt, was am häufigsten der Fall ist, wird mit einem strahlensparenden Ganzbeindetektor, einer Weltneuheit von Fuji, eine Röntgenaufnahme beider Beine im Stehen angefertigt. Ein 2020 in Betrieb genommenes Spezialstativ für Röntgenstandbeinaufnahmen mit integriertem Beinlängenausgleich und Gewichtskontrolle wurde eigens für das ZEM-Germany entwickelt. Alle wichtigen geometrischen Parameter (siehe Beingeometrie) der Beine lassen sich so mit nur zwei korrekt eingestellten Röntgenbildern unter Ausrichtung der Wirbelsäule vermessen. Da keine Artefakte durch Bewegung entstehen, ist diese Untersuchung auch für Kinder geeignet. Falls Hinweise auf eine Verdrehung vorliegen, ermöglicht eine Computertomografie, die Torsionswinkel der Knochen präzise zu vermessen.

Nach Abschluss der Untersuchungen werden alle diagnostischen Parameter tabellarisch und grafisch aufgearbeitet, sodass jetzt eine umfangreiche Analyse des individuellen Problems und eine fundierte Behandlungsempfehlung möglich ist.

Beratungsgespräch

In einem ausführlichen Informations- und Beratungsgespräch werden zunächst die Untersuchungsergebnisse und alle erhobenen Befunde erklärt und die Röntgenbilder auf großen Monitoren projiziert. Es folgt die Erörterung verschiedener Behandlungsoptionen mit anschließender Bewertung und abschließender Behandlungsempfehlung. Geringe Verkürzungen können mit Schuheinlagen oder Schuherhöhungen ausgeglichen werden. Bei zusätzlichen Fehlstellungen ist dies allerdings dauerhaft meist nicht ausreichend. Gerade bei jungen Patienten ist es deshalb meist vorteilhafter, das Problem ursächlich anzugehen und die Verkürzung und Fehlstellung durch eine Operation zu beseitigen. Die Diagnostik und Beratung im ZEM-Germany ist aufgrund der hohen Spezialisierung weit überregional bekannt und wird vielfach auch wahrgenommen, um eine Zweitmeinung einzuholen.

Den Untersuchungsbefund und unsere Behandlungsempfehlung, auf Wunsch auch die Röntgenaufnahmen, werden innerhalb von ein bis zwei Wochen zusätzlich per Post zugeschickt. Selbstverständlich können zu dem Beratungsgespräch auch Angehörige oder Personen des Vertrauens mitgebracht werden.

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Bitte planen Sie für die Untersuchung und die Beratung ausreichend Zeit (ca. 3 Stunden) ein.

Operationsvorbereitung

Etwa 2–4 Wochen vor einer Operation findet ein zweites ambulantes Gespräch im ZEM-Germany statt, bei dem ggf. noch fehlende Untersuchungen ergänzt werden und ausreichend Gelegenheit besteht, alle offenen Fragen direkt mit dem Operateur zu klären. Der Klinikaufenthalt, der operative Eingriff und die gesamte sich anschließende Behandlung werden hinsichtlich aller Besonderheiten ausführlich besprochen, sodass jeder Patient bestens vorbereitet mit einem guten Gefühl zur Operation antreten kann.

Die OP-Vorbereitung kann durch Ihren Hausarzt oder unmittelbar vor der stationären Aufnahme in München erfolgen, wobei die individuellen Besonderheiten berücksichtigt werden. Meist ist eine stationäre Aufnahme am OP-Tag ausreichend. Unsere Partnerkliniken verfügen in allen Bereichen über höchste Hygienestandards. Zimmer verschiedener Kategorien stehen zur Verfügung und für die Angehörigen ist das ZEM-Team gerne bei der Hotelsuche behilflich. Je nach Eingriff sollte mit einem stationären Aufenthalt von 2 bis 6 Tagen gerechnet werden.

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Operation

Der Eingriff selbst findet in einem modern ausgestatteten Operationssaal unter Vollnarkose statt. Ziel ist es immer, ein optimales Behandlungsergebnis hinsichtlich Länge, Achse und Drehung (siehe Beingeometrie) zu erreichen. Eine im ZEM-Germany entwickelte präoperative Planungstechnik (Reverse-Planungs-Methode) kommt standardisiert zur Anwendung und ermöglicht meist im Rahmen einer einzigen Operation eine vollständige Korrektur aller abweichenden Parameter. Achsen- und Drehfehlstellungen lassen sich in vielen Fällen direkt intraoperativ korrigieren. Zur Beinverlängerung ist immer eine behutsame Knochendurchtrennung und eine sich anschließende langsame Streckung erforderlich, damit sich neues Knochengewebe in dem so entstehenden Spalt bilden kann und die Weichteile mitwachsen können. Weit überwiegend können voll implantierbare Distraktionsmarknägel zum Einsatz kommen, sodass externe Fixateure bereits seit vielen Jahren die Ausnahme geworden sind. Mit neuartigen Instrumenten (Tube-II-System), bestehend aus dünnwandigen Röhrchen, können zudem Marknageloperationen gewebeschonend und meist über Miniaturschnitte durchführen werden, sodass kaum Narben verbleiben.

Im ZEM-Germany profitieren die Patienten von hier entwickelten knochen- und weichteilschonenden, minimal invasiven Operationstechniken – eine Folge hoher Spezialisierung und langjähriger Erfahrung.

Klinikaufenthalt

Bereits am 1. Tag nach der Operation kann man mit Unterstützung aus dem physiotherapeutischen Team aus dem Bett aufstehen und wird, falls erforderlich, in den Gebrauch von Gehstöcken eingewiesen. Wenn ein Verlängerungsbedarf besteht erfolgt bereits am 3. Tag nach der Operation die Einweisung in die Bedienung der leichten und einfach zu handhabenden Steuerungselektronik, die leihweise zur Verfügung gestellt wird. Am 4. oder 5. Tag nach der Operation ist meist schon eine Entlassung aus der Klinik möglich. Das Tragen normaler Kleidung, duschen und baden ist möglich, und das operierte Bein kann unter Zuhilfenahme von Gehstöcken auch belastet werden. Neben dem geringen Infektionsrisiko ist der hohe Behandlungskomfort ein wesentlicher Vorteil von voll-implantierbaren Distraktionssystemen.

Verlängerungsphase

Ein zentraler Behandlungsschwerpunkt im ZEM-Germany stellen Verkürzungen von Armen und Beinen dar. Kein anderes Zentrum verfügt diesbezüglich über mehr Erfahrung mit voll-implantierbaren, elektromotorischen Verlängerungsmarknägeln. Mit einem leichten elektronischen Steuergerät wird per Knopfdruck der durchtrennte Knochen um ca. 1 mm/Tag (bei gleichzeitiger Ober- und Unterschenkelverlängerung sogar um ca. 2 mm/Tag) auseinander gezogen. Der Verlängerungsvorgang dauert lediglich 3 mal am Tag jeweils 90 Sekunden und ist völlig schmerzlos. Unangenehm bis schmerzhaft ist aber der zunehmende Druck auf die Gelenke, was häufig die Einnahme von Schmerzmitteln erforderlich macht. Um einen sicheren Behandlungsverlauf zu gewährleisten, sind regelmäßige ambulante Kontrollen meist alle ein bis zwei Wochen im ZEM-Germany erforderlich.

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Konsolidierungsphase

Die knöcherne Heilung einer operativen Korrekturmaßnahme dauert meist ca. 3 Monate. Bei Verlängerungen kann diese Phase je nach Verlängerungsausmaß aber deutlich länger sein. Der neue Knochen ist zwar angelegt, aber noch nicht tragfähig ausgebildet. Die Fortführung der Eigenübungen führt jetzt schnell zu deutlich sichtbaren Erfolgen. Die Dauer bis zur vollständigen Verfestigung ist meist zwei- bis dreimal so lang wie die Zeit der Verlängerung selbst. Danach ist das Laufen ohne jegliche Hilfsmittel möglich, vielfach kann auch bereits wieder einer leichten beruflichen Tätigkeit nachgegangen werden. Der nachgewachsene Knochen passt sich jetzt zunehmend der Beanspruchung an und wird immer stabiler, sodass er sich später durch nichts mehr von dem natürlich gewachsenen Knochen unterscheidet.

Umbauphase

Unter Vollbelastung normalisiert sich auch das Gangbild zunehmend, die Beweglichkeit erreicht bei Fortführung der Eigenübungen rasch den Normalzustand, sodass auch erste sportliche Betätigungen möglich werden. Nur belastende Sportarten sollten vorerst noch vermieden werden. Die Implantate bleiben zunächst noch im Knochen, was aber auch nicht weiter stört, da sie nicht wahrgenommen werden und man von außen nichts sieht.

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Implantatentfernung

Knochenimplantate sollten grundsätzlich wieder entfernt werden, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben, da ansonsten im Laufe des Lebens Probleme auftreten können. Nur bei sehr alten Menschen, wenn keine nachteiligen Folgen zu erwarten sind, können Implantate im Knochen verbleiben. Meist erfolgt die Entfernung von Knochenimplantaten etwa 12–18 Monate nach der Implantation ambulant oder im Rahmen eines kurzen, etwa 2-3-tägigen Krankenhausaufenthaltes. Im Anschluss an die Operation ist sofort wieder eine Vollbelastung möglich. Dies gilt auch für Distraktionsmarknägel.

Abschlussuntersuchung

Im ZEM-Germany wird routinemäßig bei allen Patienten eine Abschlussuntersuchung zur Qualitätskontrolle durchgeführt, was sowohl für die Patienten als auch für die Kostenträger von Bedeutung ist. Hierbei erfolgt, so wie zu Beginn der Behandlung, eine standardisierte Befragung sowie eine Foto- und Videodokumentation. Arme oder Beine werden nochmals klinisch untersucht und in einer speziellen abschließenden Spezialröntgenaufnahme erneut vollständig vermessen. Eine Gegenüberstellung mit dem Ausgangsbefund ermöglicht es, den Behandlungserfolg selbst zu kontrollieren. Die Ergebnisse der Abschlussuntersuchung können nach Unfällen auch für spätere Versicherungsanfragen sehr wichtig werden. Mit Durchführung der Abschlussuntersuchung ist die Behandlung im ZEM-Germany beendet.

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